>> JÜDISCHE KULTUR
Auf den Spuren jüdischen Lebens in Main-Spessart
Wie Geschichte in der Region erlebbar gemacht werden soll.
Christa Schleicher, Museumsleiterin des Spessartmuseums, und Frank Schneider, bislang Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt Main-Spessart, machen Geschichte erlebbar.
>> JÜDISCHE KULTUR
Auf den Spuren jüdischen Lebens in Main-Spessart
Wie Geschichte in der Region erlebbar gemacht werden soll.

Christa Schleicher, Museumsleiterin des Spessartmuseums, und Frank Schneider, bislang Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt Main-Spessart, machen Geschichte erlebbar.
Ein schlichter hölzerner Schrank steht im Mittelpunkt der Dauerausstellung im Spessartmuseum Lohr. Doch dieser Schrank ist weit mehr als nur ein Möbelstück – es handelt sich um einen Toraschrein aus der ehemaligen Synagoge in Lohr. Er wurde 2021 entdeckt und gab den Anstoß für ein Ausstellungsprojekt, das jüdisches Leben in Main-Spessart neu ins öffentliche Bewusstsein rückt. „Seine Verzierung wirft nach wie vor Fragen auf“, erzählt Christa Schleicher, Museumsleiterin des Spessartmuseums. „Neben einem Davidstern ist dort auch ein Sonnenrad oder Hakenkreuz zu sehen. Wir wissen bis heute nicht genau, warum dieses Symbol ausgewählt wurde – es wurde jedenfalls nicht nachträglich angebracht.“ Geschichte zum Anfassen
Im November 2024 öffnete der neue Ausstellungsbereich zur jüdischen Geschichte im Spessart und im Landkreis Main-Spessart seine Türen. Neben dem Toraschrein sind religiöse Schriften, Alltagsgegenstände und persönliche Dokumente zu sehen – etwa Postkarten, die den Kontakt zwischen jüdischen und christlichen Bürgern dokumentieren. Eine Medienstation führt interaktiv durch die israelitischen Kultusgemeinden des heutigen Landkreises und erzählt Familiengeschichten jüdischer Einwohner Lohrs vom 19. bis ins 20. Jahrhundert. Sämtliche Ausstellungstexte sind auch auf Englisch verfügbar, um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen. „In der Ausstellung weisen wir auch darauf hin, dass es in ganz vielen anderen Gemeinden in Main-Spessart noch Spuren jüdischen Lebens gibt“, so Schleicher. Diese Spuren finden sich etwa in Form von Gedenktafeln, restaurierten Synagogen oder jüdischen Friedhöfen, etwa in Laudenbach und Karbach. Ein fester Platz im kulturellen Gedächtnis
Für den bisherigen Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt Main-Spessart Frank Schneider ist die Ausstellung mehr als ein Museumsprojekt: „Unser Ziel ist, zu zeigen, dass jüdisches Leben ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft in unserer Region war. Wir wollen, dass Besucher sehen: Es gab überall jüdisches Leben, auch in meinem Dorf.“ Besonders wichtig sei die Verbindung von Geschichte und Emotion. „Wir wollen den Menschen wieder ein Gesicht geben, ihr Menschsein zurückgeben und zeigen, dass sie mehr waren als nur eine Nummer“, betont Christa Schleicher. Blick in die Zukunft
Die Ausstellung ist als Ausgangspunkt für weitere Projekte gedacht. So soll der jüdische Friedhof in Laudenbach stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Dort sollen möglichst viele der alten Grabsteininschriften übersetzt werden – gefördert durch EU-Mittel im Rahmen eines LEADER-Projekts. „Wir möchten die Geschichten einzelner Personen recherchieren, digital aufbereiten und künftig zum Beispiel auch in Form von speziellen Projekten in Schulen einbinden“, erklärt Frank Schneider. „Es ist uns ganz wichtig, eine emotionale Bindung herzustellen. Dass man nicht nur einen Grabstein sieht, sondern auch die Geschichte dahinter.“ Mit dem Spessartmuseum habe man eine feste Station, zudem gebe es den digitalen Raum und auch Begegnungsorte wie die restaurierte Synagoge in Laudenbach, um Geschichte live erfahrbar zu machen. „Man hat das Thema ,Jüdische Kultur‘ jetzt auch für andere Projekte im Hinterkopf – immer mit dem Ziel, den Bezug zum Alltag in der Region herzustellen“, sagt Christa Schleicher. Und vielleicht wird es in Zukunft auch eine Erweiterung oder eine Sonderausstellung geben. Denn die Geschichte jüdischen Lebens in Main-Spessart ist vielschichtig – und noch längst nicht auserzählt.
Ein schlichter hölzerner Schrank steht im Mittelpunkt der Dauerausstellung im Spessartmuseum Lohr. Doch dieser Schrank ist weit mehr als nur ein Möbelstück – es handelt sich um einen Toraschrein aus der ehemaligen Synagoge in Lohr. Er wurde 2021 entdeckt und gab den Anstoß für ein Ausstellungsprojekt, das jüdisches Leben in Main-Spessart neu ins öffentliche Bewusstsein rückt. „Seine Verzierung wirft nach wie vor Fragen auf“, erzählt Christa Schleicher, Museumsleiterin des Spessartmuseums. „Neben einem Davidstern ist dort auch ein Sonnenrad oder Hakenkreuz zu sehen. Wir wissen bis heute nicht genau, warum dieses Symbol ausgewählt wurde – es wurde jedenfalls nicht nachträglich angebracht.“ Geschichte zum Anfassen
Im November 2024 öffnete der neue Ausstellungsbereich zur jüdischen Geschichte im Spessart und im Landkreis Main-Spessart seine Türen. Neben dem Toraschrein sind religiöse Schriften, Alltagsgegenstände und persönliche Dokumente zu sehen – etwa Postkarten, die den Kontakt zwischen jüdischen und christlichen Bürgern dokumentieren. Eine Medienstation führt interaktiv durch die israelitischen Kultusgemeinden des heutigen Landkreises und erzählt Familiengeschichten jüdischer Einwohner Lohrs vom 19. bis ins 20. Jahrhundert. Sämtliche Ausstellungstexte sind auch auf Englisch verfügbar, um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen. „In der Ausstellung weisen wir auch darauf hin, dass es in ganz vielen anderen Gemeinden in Main-Spessart noch Spuren jüdischen Lebens gibt“, so Schleicher. Diese Spuren finden sich etwa in Form von Gedenktafeln, restaurierten Synagogen oder jüdischen Friedhöfen, etwa in Laudenbach und Karbach. Ein fester Platz im kulturellen Gedächtnis
Für den bisherigen Fachbereichsleiter Kultur im Landratsamt Main-Spessart Frank Schneider ist die Ausstellung mehr als ein Museumsprojekt: „Unser Ziel ist, zu zeigen, dass jüdisches Leben ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft in unserer Region war. Wir wollen, dass Besucher sehen: Es gab überall jüdisches Leben, auch in meinem Dorf.“ Besonders wichtig sei die Verbindung von Geschichte und Emotion. „Wir wollen den Menschen wieder ein Gesicht geben, ihr Menschsein zurückgeben und zeigen, dass sie mehr waren als nur eine Nummer“, betont Christa Schleicher. Blick in die Zukunft
Die Ausstellung ist als Ausgangspunkt für weitere Projekte gedacht. So soll der jüdische Friedhof in Laudenbach stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken. Dort sollen möglichst viele der alten Grabsteininschriften übersetzt werden – gefördert durch EU-Mittel im Rahmen eines LEADER-Projekts. „Wir möchten die Geschichten einzelner Personen recherchieren, digital aufbereiten und künftig zum Beispiel auch in Form von speziellen Projekten in Schulen einbinden“, erklärt Frank Schneider. „Es ist uns ganz wichtig, eine emotionale Bindung herzustellen. Dass man nicht nur einen Grabstein sieht, sondern auch die Geschichte dahinter.“ Mit dem Spessartmuseum habe man eine feste Station, zudem gebe es den digitalen Raum und auch Begegnungsorte wie die restaurierte Synagoge in Laudenbach, um Geschichte live erfahrbar zu machen. „Man hat das Thema ,Jüdische Kultur‘ jetzt auch für andere Projekte im Hinterkopf – immer mit dem Ziel, den Bezug zum Alltag in der Region herzustellen“, sagt Christa Schleicher. Und vielleicht wird es in Zukunft auch eine Erweiterung oder eine Sonderausstellung geben. Denn die Geschichte jüdischen Lebens in Main-Spessart ist vielschichtig – und noch längst nicht auserzählt.
Mithelfen, Geschichte erlebbar zu machen:
Wer Fotomaterial oder andere Zeugnisse jüdischen Lebens in Main-Spessart besitzt, kann sich gerne an den Fachbereich Kultur unter der E-Mail-Adresse kultur@lramsp.de wenden.
