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Energiezukunft für Main-Spessart in Eigenregie
So sorgt das neue Regionalwerk für mehr Gemeinschaft und regionale Gewinne.
Sebastian Kühl (rechts), Leiter der Landkreisentwicklung, und Philipp Mähler (links), Projektmanager Energiewende am Landratsamt: Als zentrale Akteure im Regionalwerk Main-Spessart arbeiten sie gemeinsam an einer nachhaltigen Energiezukunft für den Landkreis – mit mehr Windkraft und regionalem Mehrwert.
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Energiezukunft für Main-Spessart in Eigenregie
So sorgt das neue Regionalwerk für mehr Gemeinschaft und regionale Gewinne.

Sebastian Kühl (rechts), Leiter der Landkreisentwicklung, und Philipp Mähler (links), Projektmanager Energiewende am Landratsamt: Als zentrale Akteure im Regionalwerk Main-Spessart arbeiten sie gemeinsam an einer nachhaltigen Energiezukunft für den Landkreis – mit mehr Windkraft und regionalem Mehrwert.
Ein frischer Wind weht durch den Landkreis – und dabei geht es nicht nur ums Wetter. Mit der Gründung der Regionalwerk Main-Spessart GmbH Ende Juli nimmt die Region ihre Energiezukunft selbst in die Hand. Der Landkreis, 30 Kommunen und sechs regionale Energieversorger bilden das Regionalwerk, um gemeinsam am größten Zukunftsprojekt der Energieversorgung zu arbeiten: Windenergie vor Ort, mit spürbarem Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger Main-Spessarts. „Unser zentrales Ziel ist es, als Region das Heft des Handelns in der Hand zu halten“, sagt Sebastian Kühl, Leiter der Landkreisentwicklung. „Wir möchten in Energiefragen der Zukunft nicht auf dem Beifahrersitz, sondern am Steuer sitzen. Es geht darum, dass ein verträglicher Ausbau stattfindet und die Region finanziell davon profitiert“, betont Kühl. Windenergie im Fokus – aus der Region für die Region
Der Photovoltaikausbau ist im Landkreis schon weit vorangeschritten und bereits seit über einem Jahrzehnt in vollem Gang, während der Windenergieausbau durch die bevorstehende Ausweisung neuer Windvorranggebiete gerade erst wieder anläuft. „Die Vorranggebiete sind nötig, da das Wind-an-Land-Gesetz verlangt, bis 2032 bundesweit zwei Prozent der Fläche für Windkraft auszuweisen“, erläutert Kühl. Besonders für den Spessart ist die Entwicklung ein Umbruch, der neue Chancen eröffnet: „Das Landschaftsschutzgebiet wird für Windenergie geöffnet. An die Stelle eines bisher geltenden pauschalen Ausschlusses rückt eine behutsame Prüfung, die ermittelt, wo Standorte sinnvoll und verträglich sind. Aktuell stehen wir am Ende dieses Dialogprozesses, in dem jede Gemeinde und die Öffentlichkeit gehört wurde.“ Regionale Wertschöpfung erlebbar machen
„In Main-Spessart entsteht ein enormes Potenzial, das Interesse von externen Investoren ist riesig“, so Philipp Mähler. „Ziel des Regionalwerks ist es, die Wertschöpfung in der Region zu halten. Ich weiß, das klingt abstrakt. Es bedeutet, dass der Landkreis, die Städte und Gemeinden, die regionalen Energieversorger sowie die beteiligten Bürgerinnen und Bürger direkt vor Ort profitieren, nicht ein global tätiger Investor“, weiß Philipp Mähler, Projektmanager Energiewende am Landratsamt. Für Kommunen öffne die Investition in die Windenergie wiederum finanzielle Spielräume beim Erhalt und Ausbau der örtlichen Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten oder Freizeiteinrichtungen. Darüber hinaus entstehen für Bürgerinnen und Bürger regionale, sichere Investitionsmöglichkeiten – mit direktem Bezug zu Heimat und Nachbarschaft.


Wir möchten in Energiefragen der Zukunft nicht auf dem Beifahrersitz, sondern am Steuer sitzen.
Sebastian Kühl, Leiter der Landkreisentwicklung
Beteiligungsmodelle: flexibel und solidarisch
Für alle kommenden Projekte des Regionalwerks ist Bürgerbeteiligung nicht nur eine Option, sondern ein Muss. Neben Anlagen von externen Investoren, von denen die Region nur wenig profitiert, gibt es im Landkreis Main-Spessart schon einige positive Beispiele, darunter Bürgerenergieprojekte und solche mit Beteiligung von Kommunen oder regionalen Energieversorgern. Das Regionalwerk bringt nun all das unter einem Dach zusammen, um den Mehrwert für die Region nochmals zu steigern. Das ist besonders deshalb wichtig, weil nicht alle Kommunen über geeignete Flächen für Windenergie oder PV verfügen, sie über eine Beteiligung am Regionalwerk aber dennoch davon profitieren können. Doch welchen Mehrwert bietet das Regionalwerk Bürgerinnen und Bürgern, die nicht in Erneuerbare-Energien-Projekte investieren wollen oder können? Dazu sagt Mähler: „Von einer wirtschaftlich starken Region und Einnahmen für die Kommunen profitieren alle Bewohnerinnen und Bewohner genauso wie von einer sicheren Versorgung. Doch auch darüber hinaus ist in Zukunft vieles denkbar, wie zum Beispiel eigene Bürgerstromtarife.“ Wie es mit der Windenergie weitergeht – Vorrangflächen müssen über 100 Prüfkriterien standhalten
Die Ausweisung neuer Windenergievorranggebiete ist im Gange und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben Pflicht. Ansonsten droht ein unkontrollierter Ausbau. Getragen werden die Entscheidungen von über hundert Prüfkriterien. „Spätestens seit Beginn des Krieges in der Ukraine steht beim Ausbau der erneuerbaren Energien nicht mehr der Klimaschutz im Fokus, sondern die Energiesouveränität. Die Umsetzung braucht Sorgfalt und Offenheit“, so Kühl. Klar ist: „Die Ausweisung einer Fläche als Vorranggebiet bedeutet nicht, dass auch ein Windrad gebaut wird – aber es ist dort möglich.“ Auch in Vorranggebieten müssen Windenergieanlagen erst noch einen langen und komplexen Genehmigungsprozess durchlaufen, bevor sie gebaut werden dürfen. Das Regionalwerk will anders agieren als viele Investoren. „Entscheidend ist, dass Bürgerinnen und Bürger so früh wie möglich informiert und mitgenommen werden. Akzeptanz entsteht aus Dialog. Zunächst die Menschen überzeugen, dann das Projekt umsetzen – das ist unser Ansatz“, betont Mähler. Mähler schildert den Unterschied zum klassischen Investorenmodell: „Bei externen Investoren profitieren oft nur wenige Grundstückseigner, während die breite Bürgerbasis zu spät erfährt, was passiert. Das Regionalwerk hingegen will Transparenz, faire Pachtmodelle und umfassende Beteiligungsoptionen bieten.“ Mehr als Wind – Zukunft gemeinsam denken
Schon heute ist klar: Das Regionalwerk denkt weiter. „Priorität haben derzeit Wind und auch Freiflächenphotovoltaik – aber mittelfristig können weitere Projekte folgen, die über die Energieerzeugung hinausgehen“, sagt Kühl. So nimmt Main-Spessart das Steuer für die Energiewende selbst in die Hand. Wer will, kann mitgestalten – als Bürger, als Unternehmen, als Kommune. „All das geschieht nicht zum Selbstzweck, sondern mit Blick auf die Zukunft der Region. Das gemeinsam Erwirtschaftete kommt vielen zugute, nicht Einzelnen“, sagt Philipp Mähler. Es ist eine Einladung an alle, die Zukunft der Region nicht nur mitzuerleben, sondern sie aktiv mitzugestalten – und so Nachhaltigkeit, Heimat und Wertschöpfung miteinander zu verbinden.

Durch den Ausbau von Windenergie setzt der Landkreis verstärkt auf regionale, umweltfreundliche Stromerzeugung – mit Rücksicht auf Natur und Landschaft.


Sonnenstrom für Main-Spessart: Photovoltaikflächen machen es möglich.
Fotos: Silvia Gralla, Flaticon